Das erste mal Norwegen - September 2001 - Rogaland - Norwegen
© 2002 by Bitti vom Anglerboard
Inhalt
Reisebericht
Reisebericht - Tag 1
Reisebericht - Tag 2
Reisebericht - Tag 3
Reisebericht - Tag 4
Reisebericht - Tag 5
Reisebericht - Tag 6
Reisebericht - Schlußwort
Bilderalbum zum Urlaub
Das erste mal Norwegen (September 2001)
Auf der CBR 2001 in München kam uns durch Zufall ein Flyer von Norwegen in die Hände. Der Gedanke ließ uns dann nicht mehr los und so beschlossen wir, im
September 2001 nach Norwegen zu fahren. Wir, daß sind 6 Leute, bund gemischt vom Forstbeamten bis zur Krankenschwester.
Also wurde eine Hütte gebucht bei dansommer und ab gings.
Hilfe. Die Anreise bis Dänemark ist weiiiiiiiiiit. Unglaublich wie sich das hin zieht...
Die einzigste Abwechslung war, daß ein Auto unseres Trupps ohne Benzin kurz nach HH liegen blieb. Zwei identische Autos, das erste(meins ;-) hat noch 10 Liter drin und mein Kumpel bleibt liegen. Es war schon 19:00 und wir mußten noch bis Hirtshals -> 1:00 Uhr ging die Fähre. Zum Glück hatten wir vorher ein ADAC-Auto überholt. Nach 10 Minuten gings weiter. Glück gehabt.
Die Überfahrt hatte WS 6 bis 8 und vor allem mir war gar nicht gut. :-(
Am nächsten Morgen sind wir bei schönstem Wetter in Kristiansand angekommen.
Unser Ziel war nördlich von Haugesund und wie fuhren die Route über die Berge (Haukeligrend).
War die Anreise bis zur Fähre nur weit, dann war dieser Teil laaaaaaaang. Und unnötig zu erwähnen, daß beim zweiten Auto die Benzinlampe schon wieder heftigst geleuchtet hat. ;-)
Egal, nachmittags angekommen, Hütte eingeräumt und dann das Boot untersucht. Ja, ich gebe es zu, bis zu diesem Zeitpunkt ist noch keiner von uns selbstständig mit einem Motorboot gefahren. Deshalb hat es auch ca 3h gedauert, bis der Motor (10PS) ansprang. Konnte auch niemand wissen, daß diese komische Klemme der Schlüssel war...
Aber dann gings los! Jeder wollte mal eine Runde um den Anlegen fahren. Am besten war der erste Versuch:
Motor an....läuft,
Rückwärtsgang...cool das Boot bewegt sich...nicht???
Aha. Die Leine sollte man noch los machen...
Aber jetzt. Wir fahren rückwärts...Ähm. Da parkt ein Boot... lieber wieder den Gang rausnehmen...
Gang ist raus...Schxxxx das Boot fährt immer noch... Vorwärtsgang, wo ist der Vorwärtsgang...
Ist drin...Noch 1 Meter bis zum Boot...Gas geben...
Geschafft. Da ging sicher noch eine Hand zwischen Schraube und dem festgemachten Boot. Wenn auch nur eine kleine...
An dem Abend haben wir Bootsfahren geübt. Ablegen, Anlegen, Kurven usw.
Den Sonnenuntergang haben wir bei einem Bierchen auf unserer schönen Terrasse genossen und wir waren uns einig, daß Hütte und Landschaft unsere Erwartungen bei weitem übertroffen hatten...
Bestes Wetter, Null Wind. Heute fangen wir Fisch.
Hier muß ich mal kurz abschweifen: Von den 6 Leuten hatten bis zu diesem Zeitpunkt erst 2 jemals geangelt. Die aber richtig, wenn auch noch nie in Norge.
Zurück zum Boot in dem maximal 5 Leute rein gingen. Stand jedenfalls auf der Bootswand. Aber da wir Angeln wollten, fuhren wir "nur" zu viert "raus". Nunja "raus" bestand darin, ca 500 Meter in den Fjord zu fahren und dort irgendwo zu Angeln. ca 100 Meter vom Ufer weg.
Als erstes stellt sich raus, das es unmöglich ist, mit vier Leuten gleichzeitig zu Angeln, selbst drei sind schon viel.
Lektion 1 gelernt: Fahr am besten zu zweit, max zu dritt mit dem Boot raus.
Egal, Angeln nur drei und der vierte verwaltet die zu erwartenden Fische. Also Angel runter und "pilken".
Und tatsächlich: Nach ca 1 Minute hatte ich den ersten Fisch dran. Einen Schellfisch so groß wie der 200g Pilker selbst..
Sieg. Ich hatte den ersten Fisch gefangen...
Die Reaktionen:
Profi: "Wie hat der bloß den Drilling ins Maul bekommen..."
Neuling: "Was issn das für einer?"
Meine Freundin: "Das ist also ein lebendiger Fisch..."
An dem Tag fingen wir ca 8 Makrelen und 3 Schellfische. Die Makrelen wurden Abends geräuchert. Unglaublich gut. Ja, wir waren mit diesem Fang sehr zufrieden...
Ein Teil der Leute fuhr Angeln, ein anderer ging Pilze sammeln. Um diese Jahreszeit gab es unglaublich viele Pilze. Scheinbar essen Norweger keine. Außer uns war niemand beim Pilzesuchen zu sehen. Lecker waren die Teile auf jeden Fall.
Die Fangergebnisse am Tag waren 12 Makrelen. Jau, auch an diesem Tag gab es Fisch. Mit Pilzen. Klingt zwar seltsam, schmeckt aber trotzdem.
Hätte ich gewußt, was an diesem Tag geschied, wäre ich liegen geblieben.
Wir sind am Vormittag nach Haugesund gefahren. Etwas Bummeln. Dabei natürlich die Angelläden nicht übersehen. Wow. Was es da alles gibt. Und was das Zeug alles kostet!
Aber ein! Makrelenvorfach habe ich mir dann doch geleistet.
Anmerkung: Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir nur mit Pilker geangelt. Schnur -> Wirbel -> Pilker.
Zurück zur Hütte, essen und dann sofort Angeln. Jubel, als erstes durfte ich mit meiner Freundin allein rausfahren. Zum Angeln versteht sich.
Der Rest ist wieder Pilze suchen gegangen.
Angeln ins Boot geladen und los gings. War das ein Wetter.
Irgendwo an einer Landspitze haben wir gehalten und ich ließ den Pilker samt Vorfach nach unten. Er kam aber nicht weit, denn nach ca 10 Meter gingen drei Makrelen auf das Vorfach.
Ist das cool, wenn drei Makrelen gleichzeitig an der Angel zappeln. Wir fingen innerhalb einer halben Stunden ca 20 Makrelen, was gemessen an den letzten Fängen der Wahnsinn war.
So geht das also:
Lektion 2: Willst Du Makrelen fangen, nimm spezielles Makrelenvorfach.
War das ein Tag. Ich fing dann noch mit einem Pilker meinen ersten, wenn auch noch zu kleinen Dorsch.
Perfekt. Bis dahin...
Mit unserem "Monsterfang" ging es dann wieder Richtung Bootsanleger. Was waren wir stolz. In 2 Stunden mehr Fische gefangen als 6 Leute in zwei Tagen insgesamt.
Am Steg gab es zwei Filetiertische aus Holz. Die Fische wurden ordentlich aufgereiht und natürlich ein paar Fotos geschossen.
Dann habe ich die Dinger ausgenommen. Als ich damit fertig war sahen meine Hände entsprechend aus. Ich nahm mein Messer, ein scharfes Marttiini, und wollte es mit Schwung in den Tisch stecken damit ich meine Finger waschen konnte.
So. Bis hier war die Geschichte ok. Leider hatte ich zuviel Schwung, meine Finger waren voll Fischschleim und so geschah das, was später der norwegische Chirurg wie folgt beschrieb:
...
Bekam dabei das Fischmesser in die rechte Hand und durchtrennte die tiefe Beugesehne des 5. Fingers direkt proximal vom PIP Gelenk.
...
Für den Laien:
Ich hatte am kleinen Finger eine Schnittwunde von ca 5mm Tiefe. :-(
Lektion 3: Niemals mit solch scharfen Messer irgend welchen Mist machen.
Schxxxx...
Mir war innerhalb von Sekunden klar, das wir einen Arzt aufsuchen müssen. Der muß das wohl wieder zusammen nähen. Groß war die Wunde nicht, aber halt tief und sicher ist sicher.
Also ab in Krankenhaus nach Haugesund. Ca 30 km Fahrt.
Im Krankenhaus zur Aufnahme. Ab hier lief jede Kommunikation Englisch ab, welche ich der Einfachheit halber übersetzt wiedergebe:
"Guten Tag, Ich habe meinen Finger zerstört und brauch eine Arzt der das repariert". Jaja, mein Englisch...
????
"Ich habe mir in den Finger geschnitten..."
????
Spricht wohl kein Englisch, die gute Frau. Also hab ich Ihr meinen Finger gezeigt. Und mit einem "Wieder-ein-Touri-der-versucht-hat-zu-Angeln"-Lächeln wurde mir der Warteraum gezeigt.
Wieso die anderen Patienten mich wohl so anstarrten? Vielleicht wegen der Angelklamotten, die von oben bis unten voller Makrelenschuppen waren...
Im Waschraum habe ich mir erstmal den gröbsten Dreck weg gewaschen.
Dann klingelte mein Handy. Es war unser Pilz-Such-Trupp.
Dieser war wieder zur Hütte gekommen und wir waren nicht da.
"Wo seit Ihr?"
"Im Krankenhaus"
"Weshalb?"
"Hab mir in den Finger geschnitten"
An der Stelle wußte ich was gleich kommt: Warum? Ist es schlimm? Wir kommen vorbei..etc. Also:
"Wo hast Du die Makrelen gefangen?"
Das gibts doch nicht. Mit allem hatte ich gerechnet, nur nicht mit dieser Frage.
"Hae ???"
"Hier liegen über 20 Makrelen. Wo und wie fängt man die?"
Tolle Kumpels. Setzen Prioritäten, das glaubt man nicht...
Nach einer halben Stunde war ich dran. Fest im Glauben das dies hier nur max 30 min dauern kann betrat ich den Arztraum. Ein sehr junger Arzt untersuchte den Finger. Eigentlich war er der gleichen Meinung wie ich, das es nur schnell zugenäht werden müsste, dann ist es ok.
Er wollte aber sicherheitshalber noch prüfen, ob die Sehne noch heil ist.
"Den Finger ausstrecken" Perfekt...
"Und zusammenziehen" Hilfe. Unmöglich. Tut viel zu sehr weh.
"Ok. Ich gebe Ihnen eine Spritze, dann versuchen wir das nochmal"
Nach 5 Minuten der nächste Test.
He, das geht ja.
"Ich drück jetzt mal dagegen"...
Peng. Ich war kurz vorm Umkippen. Die dumme Sehne war in diesem Moment gerissen. Das Messer hatte sie also doch teilweise erreicht.
Was dann folgte, ist schnell erzählt:
Im Krankenhaus traute sich niemand, die notwendige Operation auszuführen, deshalb wurde ein Arzt aus Stavanger eingeflogen. Das Problem bei dieser Verletzung ist, innerhalb von 6h muß operiert werden, sonst wird es kompliziert.
Ganz kapiert hatte ich die Schwere der Verletzung erst, als ich 23:30 in den OP-Saal reingeschoben wurde und ca 10 Leute mich erwarteten.
Bei der OP blieb ich wach und dachte mir, was das hier wohl kosten würde. Ich hatte zwar den Auslandskrankenschein meiner BKK mit, das FORMULAR E111, aber man liest ja oft, das der nicht alles abdeckt. Ich sah mich schon vollkommen pleite das Krankenhaus verlassen...
Nach 2h wurde ich aus dem OP gerollt und konnte zum ersten Mal das Ergebnis bewundern:
Ist hier gut dargestellt. Ich hatte zum Glück nur 2 Finger nach hinten gebunden.
Man fragt sich jetzt, wie die Fäden an den Fingern halten?
Ganz einfach. Da wurden Löcher in die Fingerkuppen gebohrt und die Fäden durchgezogen...
Meine Freundin wurde ganz bleich und ich wollte einfach nur noch Heim. Haben sie mich aber erst gegen 9 Uhr am
gelassen. Und ich kam ohne einen Cent zu bezahlen davon! Einfach E111 abgeben und gut ist. Hier muß man unser Gesundheitssystem auch mal loben.
Lektion 4: Niemals als gesetzlich Versicherter ohne E111 nach Norwegen fahren!
In der Hütte angekommen, war der Rest angeln. Wie sich herausstellte, hatten sie gestern noch ca 100 Makrelen gefangen.
Ich wollte nur noch schlafen.
Ca 16:00 wachte ich wieder auf und dann wurde der Urlaub fortgesetzt:
Ab zum Angeln.
Ich erntete seltsame Blicke, ignorierte die Fragen nach meinem Geisteszustand und fuhr 14 Stunden nach der OP wieder mit dem Boot über den Fjord.
Jaaaaaaaa ich werde zwar mit Gibs, Fäden und Gummizug zusammengehalten, aber Hauptsache ich kann Angeln...
Bis zum diesem Tag hatten wir auf der Habenseite folgendes:
ca 200 Makrelen
ca 10 "andere" Fische
1 Tonne Pilze ;-)
Ein kaputter Finger
Deshalb wurde einstimmig beschlossen, keine Makrelen mehr zu fangen, es sei denn zu Köderzwecken.
Meine durchbohrten Finger taten extrem weh, so das ich heute freiwillig aufs Rausfahren verzichtete.
Statt dessen nahm ich mir einen Stuhl, eine Grundangel, ein paar Bierchen, setze mich an den Bootssteg und versuchte von dort mein Glück.
Die seltsame Konstruktion an meiner Hand verhinderte ein echtes "auswerfen". Ich brachte den Köder eher wie ein Diskuswerfer per Drehbewegung einhändig ins Wasser. Mehr als 15 Meter waren aber nicht drin.
Das Einholen ging relativ problemlos. Man mußte sich nur die Rute in Hüfte klemmen, mit den drei verbliebenen Finger etwas festhalten und mit links ganz normal einholen...
Es dauert nicht lange, es kam der erste Biß. Meine Freundin war ganz gespannt, was ich dran hatte:
Es war ein...
...Goldfisch?
Was war das denn? Klein, rot und mit großen Klupschaugen. Den haben wir sicherheitshalber wieder reingeworfen...
Heute weiß ich wie ein Rotbarsch aussieht....
Ok. Nächster Versuch.
Es dauert ein bis zwei Bier, bis der nächste Biß kam. Diesmal richtig heftig. Es war eine richtig schöne Scholle.
Danach hatte ich noch jede Menge "Goldfische" dran, die aber alle wieder ins Wasser flogen...
Am Abend kam dann unser Boot wieder rein. Fang: NULL.
Einhändig Tagessieger geworden. Die Scholle war bis zu diesem Zeitpunkt auch der größte Fisch dieser gesamten Tour.
Das "Gelbe Trikot" hatte ich also auch. :-)
Heute wollte ich nochmal rausfahren. Der Rest hatte schon keine Lust mehr, aber einen konnte ich noch überreden mitzukommen.
Weger der defekten Hand war ich richtig froh, daß man beim Pilken nicht werfen muß... ;-)
Es war relativ viel Drift an diesem Tag und unsere 200g Pilker kamen kaum unten an.
2 mittlere Pollaks verirrten sich an die Angel meines Mitfahrers, bei mir war gar nichts.
Kurz vor Schluß dann doch ein Biß. Und was für einer. Da ich nur zwei Finger zum Halten der Rute zur Verfügung hatte, war hochpumpen völlig aussichtlos.
Also habe ich die Angel mit den Knien festgeklemmt und mit links auf Teufel komm raus an der Kurbel gedreht. Unglaublich das die Rolle das überlebt hat.
Als der Fisch an Bord gehoben wurde, war ich fix und fertig...
Damit hatte ich den Vorsprung beim Gelben Trikot uneinholbar ausgebaut.
Auch wenn es sich teilweise wie eine Horrorfahrt anhörte, es war eine der schönsten Urlaubsfahrten überhaupt.
Wir sind seit dem noch zwei mal nach Norge gefahren, fangen mittlerweile mittels GPS und Echolot viel mehr und größere Fische. Aber bei dieser Tour war man auch noch von kleinen Fängen fasziniert.
Ach ja:
Der Finger ist wieder (fast) perfekt einsetzbar.
Und ganz zum Schluß das schönste Foto der Tour:
Gruß
Bitti
www.rico-und-heike.de
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