Reisebericht Hardanger 2002 - die ganze Wahrheit (Hordaland) - Norwegen
© 2002 by Kalle25 vom Anglerboard
Inhalt
Reisebericht - Teil I
Reisebericht - Teil II
Reisebericht - Teil III
Reisebericht - Teil IV
Reisebericht - Teil V
Reisebericht - Teil VI
Reisebericht - Teil VII
Reisebericht - Teil VIII
Links zum Bericht
Bilderalbum zum Urlaub
Reisebericht
Nun, wie ist es zu diesem Urlaub gekommen? Letztes Jahr war ich das erste mal im gelobten Land und
war überwältigt. Nach kurzer, weil nicht vorhandener Diskussion habe ich
gemeinsam mit meiner damaligen Freundin und jetzigen Frau Caren entschieden,
daß es 2002 nach Norwegen geht. Nur wohin, daß wußten wir noch nicht.
Anfang July 2001 klinkte Caren sich kurzfristig aus dem Umzug in meine
Wohnung aus, weil sie sich kurzerhand das Bein brach. Da Sie dadurch über
3 Monate aus dem Verkehr gezogen wurde und es mit Spaziergängen etwas umständlich
war, besorgte ich Ihr kurzerhand mehrere Kilogramm Reiseprospekte und einen
Haufen Post-Its.
Der Auftrag lautete: ?Haus aussuchen.? Allerdings gab es einige Vorgaben: Boot und Motor mit mind. 10 PS dabei und Fjordnähe.
So haben wir uns schließlich und endlich für das Haus Nr. 92 In Rosendal/Uskedal entschieden. Der Anbieter war Mach-Nordferien.
Um dem ganzen hier schon einmal vorweg zu greifen. Das Haus war ein Traum.
Sehr schön und komplett eingerichtet. Es fehlte dort so gut wie nichts. Eine
ausführlichere Beschreibung werde ich in die Reiseanbieterdatenbank einstellen.
Zudem werde ich auch noch einige Fotos nach dem Entwickeln dem Fotoalbum
zur Verfügung stellen.
Die Reiseunterlagen kamen pünktlich an, hatten aber nicht mein 100% Wohlwollen
errungen. Zu einen hatte ich die Fährbuchung vertrauensvoll in die Hände
von Mach gelegt. Heraus kam dann eine Kabine ohne alles auf dem Autodeck.
Aber das konnten wir dann direkt mit Color-Line noch korrigieren. Das andere,
was mich etwas verwundert hatte, war die Anfahrtsbeschreibung. Da wir die
Fähre via Oslo gebucht hatten, hatte ich auch erwartet, daß die Beschreibung
auch just von diesem Ort ausgeht. Tat sie aber nicht, sondern begann artig
in Kristiansand. Aber auch diese Klippe lies sich dank des käuflich erworbenen
Autoatlas für Skandinavien sowie eines Routenplaners aus Norwegen relativ
leicht umschiffen. Außerdem verlief die Stecke dann ab einem gewissen Punkt
dann gleich.
Dermaßen vorbereitet fuhren wir dann am 30.8. gen Norden. Die Fahrt nach
Kiel verlief absolut genial. Kein Stau bei Kassel, keinerlei Probleme bei
Hannover und ich habe es zum ersten Mal geschafft, vormittags durch den Elbtunnel
zu fahren ohne auch nur den Ansatz einer Verkehrsbehinderung zu entdecken.
Einziger Wermutstropfen war das kleine Malheur, welches aus einer Kanne
Kaffee und einem unglücklichen Zusammenstoß von Caren und mir bei einer
kurzen Pause bestand. Jedenfalls habe ich noch nie zuvor gesehen, wie eine
Frau sich in einer so kurzen Zeit umziehen konnte.
Jedenfalls hatten wir nach der Ankunft in Kiel somit mehr als genug Zeit,
uns die Mitreisenden vor der Fähre zu betrachten. An Bord konnten wir uns
dann am Heck zwei Liegestühle sichern und das anthropologische Studium fortsetzen.
Zunächst war es erstaunlich und dann nur noch peinlich, wie sich erwachsene
Menschen benehmen können. Egal, ob es sich um eine Anglergruppe oder einen
Damenkegelclub handelte. Aber lassen wir das.
Die Überfahrt verlief bis zum Abend sehr ruhig und wir begnügten uns
mit unseren selbst mitgebrachten Speisen. Danach gab es für uns einen Auffrischungskurs
in norwegischer Preisgestaltung: Wir suchten den Duty-Free-Shop auf und verliessen
diesen auch wieder unbepackt.
Danach war es Zeit, ein wenig an der Matratze zu horchen. Ich muß gestehen,
daß ich selten so schlecht geschlafen habe. Mehrfach mein eh lädiertes Knie
angeschlagen und an einen tiefen Schlaf war nicht zu denken. Dazu frischte
es in der Nacht ganz hübsch auf und auch der Wellengang war deutlich zu spüren.
Das fing ja gut an. Von daher waren wir lange vor dem Weckruf auf den Beinen.
Und jetzt auf zum Frühstücksbüffet. Vor dem Buffetrestaurant bereits
eine Schlange, also ab Richtung á la carte Restaurant, in welchen man ebenfalls
ein Frühstücksbüffet attackieren konnte. Und das auch noch zum gleichen günstigen
Preis wie im eigentlichen Buffetrestaurant. Ich habe selten erlebt, daß die
Bedienung so besorgt um das Wohlergehen der Gäste ist. Damit niemand Gefahr
lief, sich an den zubereiteten Speisen die Lippen und den Gaumen zu verbrennen,
hatte man wohl vorsorglich Rührei, gebratenen Speck und die Fleischbällchen
sorgfältig auskühlen lassen. Aber egal, bezahlt ist bezahlt und der Hunger
treibt es rein.
So erreichten wir dann den Oslofjord. Je weiter wir diesen befuhren,
desto mehr klarte das Wetter dann auf. Da haben wir aber Glück gehabt. Wenn
Engel reisen.....
By the way, wir überholten noch einen italienische Minenräumer, der wohl
zu einem Besuch nach Oslo lief. War schon recht amüsant, zu beobachten wie
die Jungs dort ihrem Dienst bei Frühsport und Reinschiff versahen. So ein
Chaos habe ich noch nie gesehen. Wenn man einen Film dabei gedreht hätte,
hätte der Titel nur folgendermaßen lauten können: ? Denn Sie wissen nicht,
was Sie tun.?
Das war aber nicht unser Problem, sondern nun konzentrierten wir uns
darauf, da wir so ziemlich zuerst an Bord der ?Prinzeß Ragnhild? gefahren
waren, eben diese wieder ziemlich zuletzt zu verlassen. Schnell die Durchfahrt
mit dem grünen Schild gewählt und dem uns lässig durchwinkenden Zöllner
genau lässig (insgeheim aber doch sehr dankbar) zugenickt. Die Blickrichtung
wieder geradeaus und was sehen wir: Sowohl die Box mit dem kleinen blauen
Rolltor auf der rechten Seite als auch die Box mit dem großen blauen Rolltor
auf der linken Seite in der berühmt berüchtigten Garage waren mit PKW´s besetzt,
die ein deutsches Kennzeichen trugen. Ich kann es nicht beschwören, aber
ich meinte von den Reisenden den einen erkannt zu haben, der kurz nach Beginn
der Überfahrt am Vortag partout nicht davon ablassen konnte, auf Deck den
reichlichen Genuß alkoholischer Getränke durch Ablegen seiner Bekleidung
zu feiern. Wenn Bengel reisen.....
Raus aus dem Hafen und ab auf die E18 nach Drammen. Dort auf die 134
und grobe Richtung Westen eingeschlagen. Nun hatte der Urlaub richtig begonnen
und der erste Teil des Berichts endet.
Teil II
Die 134 war für die nächsten Stunden die Strecke, die uns durch anmutige Täler,
wilde Karstlandschaften, steile Anstiege und noch steilere Abfahrten führen
sollte. Vorbei an größeren Ansiedlungen wie Notodden und unzähligen kleineren
Ortschaften, durch grüne Wälder und wilde Flüsse führte unser Weg stetig
weiter. Die Fahrt war schon beeindruckend. Vor allen Dingen war kein einziger
Starenkasten auszumachen.
Unterwegs rief der Hausbesitzer an und fragte, wie wir so vorankommen
und wann mit unserem Eintreffen zu rechnen sei. Schließlich wolle er uns
nicht warten lassen. Klang sehr nett und sprach recht gut Deutsch, allerdings
mit einem Akzent, den ich damals noch nicht so recht einordnen konnte.
Endlich konnten wir die 134 verlassen und uns Richtung Odda bewegen.
Das bedeutete, daß der erste Blick auf einen Fjord geworfen werden konnte.
Die Straße (13) Richtung Odda ist ja an sich schon nicht besonders breit.
Durch Umbaumaßnahmen wird sich das künftig ändern. Momentan jedoch schränken
die Baumaßnahmen den Fahrspaß doch recht deutlich ein. Auch eine sehr optimistische
Fahrweise der entgegen kommenden Einheimischen sorgte für einen stets hohen
Adrenalingehalt im Blut.
Schließlich wurde Odda erreicht und auch zügig passiert. Irgendwie merkte
man, daß es Samstag nachmittag war. Die Stadt wirkte beinahe ausgestorben.
Lag aber vielleicht auch am Wetter, denn leider hatte es mittlerweile heftig
zu regnen angefangen.
Vom Regen bekam man am Ende des Folgefonntunnel zunächst nichts mit.
Im strahlenden Sonnenschein durften wir unsere 55 NOK für die Passage von
11.150 Metern geballter Tunnelbaukunst entrichten.
Ab jetzt führte unser Weg stetig auf der 48 zunächst am Maurangerfjord
bis zum unserem Ziel in Uskedal weiter. Diese Straße ist bis Lofallstrand
auch sehr interessant zu befahren. Langeweile kommt nicht auf. Aber nicht
nur wegen der Streckenführung: Am Fusenbergsfossen führt eine Holzbrücke
über das Bett des zu Tale stürzenden Wasser, das praktisch direkt neben der
Straße aufkommt.
Inzwischen konnten wir trotz des immer wieder einsetzenden Regens großartige Blicke auf den Hardangerfjord erhaschen.
Schließlich passierten wir Rosendal und nahmen nochmals Kontakt mit Olav,
dem Hausbesitzer, auf, der uns die letzten Details für die Anfahrt zum Haus
beschrieb. Das Ziel lag also greifbar nahe. Kurze Fahrt durch Uskedal und
da stand auch schon jemand heftig winkend am Straßenrand, der uns die richtige
Einfahrt wies. Wir diese genommen und ein paar Meter weiter stand auch unser
Haus. Genau wie im Prospekt, zumindest fast. Doch Caren und ich vereinbarten
schnell, erst einmal nicht zu kritisch sein. Schließlich waren wir im Urlaub
und den sollten man nicht damit beginnen, dem Hausbesitzer gleich vor den
Kopf zu stossen. Außerdem waren wir müde und wenn es regnet, ist es praktisch
überall bei der Ankunft erst mal nicht so doll. Was damit gemeint ist, wird
von mir später beschrieben.
Jetzt wurden wir erst einmal von Olav sehr freundlich begrüßt und durch
das Haus geführt. Hier hatte der Prospekt nicht zuviel versprochen. Das Haus
wurde im Mai 2001 das erste mal nach dem Bau vermietet und befand sich dementsprechend
in einem sehr guten Zustand. Die Einrichtung war liebevoll zusammengestellt
und ließ uns nicht vermissen.
Olav übergab uns einige Unterlagen, die er all seinen Gästen zu Verfügung
stellt. Unter anderem auch eine laminierte Seekarte des Gebiets. Selber hatte
Olav nichts mit Angeln am Hut, aber ein Gast hatte auf der Seekarte Markierungen
angebracht, die gute Angelstellen markieren sollten. Wir haben dann im Laufe
der Zeit etliche dieser Stellen angefahren und ausprobiert. Dabei kam es
zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen. Doch davon später mehr.
Er zeigte uns noch kurz die Rettungswesten und wies uns in den Gebrauch
des Echolots ein. Es handelte sich um ein EAGLE FishEasy portable.
Danach sollte es zum Boot gehen. Laut Prospekt sollte das Bootshaus 150m
entfernt liegen und deshalb nahmen wir selbstverständlich an, daß wir auch
zu Fuß hingehen würden. Auf der Schwelle fragte ich Ihn noch, was das für
ein Gebäudekomplex sei, an dem mehrere größere Schiffe lagen und der den
direkten Blick auf den Fjord versperrte. Voller Stolz bekamen wir zu hören,
daß es sich hierbei um die modernste Fischfabrik Norwegens handelte. So recht
darüber freuen konnten wir uns nicht. Ich muß aber sagen, daß seitens der
Fabrik keinerlei Geruchsbelästigungen ausgingen. Und da wir nicht nach Norwegen
gefahren sind, um den ganzen Tag aus dem Fenster zu sehen, hat uns der Anblick
auch nicht weiter gestört. War halt nur der erste Schock.
Zielsicher stieg Olav nun mit uns in sein Auto und fuhr los. Erst dachte
ich noch, daß er ein bequemer Mensch sei, die kurze Strecke mit dem Auto
zu bewältigen. Jedoch ging die Fahrt zurück Richtung Uskedal/Zentrum und
dann zum Hafen.
Dort angekommen teilte er uns mit, daß es mit dem Besitzer w/ des Anlegers,
wo das Boot in Hausnähe lag Ärger gab und er deshalb den Platz im Hafen angemietet
habe. Somit sei der Weg nun etwas länger. Auch gut, statt 150m dann halt
etwas über 2km. War ja sowieso mehr ein Familienurlaub denn ein reiner Angelurlaub
geplant. Ab dem nächsten Jahr soll dann ein eigener Anleger in der näheren
Umgebung des Hauses zur Verfügung stehen
Das Boot erwies sich als gut: Askeladden 535 lite stand auf der Seite.
Es war mit einem 10PS (statt der avisierten 15PS) Mariner Motor ausgerüstet
und mit einer Selbstlenzanlage versehen. Der Motor erwies sich aber als völlig
ausreichend.
Wenn jetzt einige Kritikpunkte genannt wurden, so geht es uns nicht darum,
grundsätzlich zu kritisieren, sondern nur darauf aufmerksam zu machen, daß
zwischen Katalog und Realität Diskrepanzen bestehen können. Alle genannten
Punkte wirkten sich auf den Erholungswert nicht negativ aus und konnten mit
einem C´est la vie und/oder etwas Improvisationsvermögen bereinigt werden.
Auf der Rückfahrt bekamen wir noch gezeigt, wo wir laut Olav ganz gut
von Ufer aus angeln könnten. Ich habe diesen Holzverladepier erst etwas skeptisch
betrachtet, es sollte sich jedoch noch herausstellen, daß diese Auskunft
die Untertreibung des Jahres darstellen sollte.
Aber jetzt erst mal ins Haus, die Sachen verstauen und sich vorher von
Olav verabschieden. Und jetzt verabschiedet sich auch der zweite Teil des
Reiseberichts.
Teil III
Der Sonntag vormittag war
gekommen. Wir haben die Zeit erst einmal genutzt und ausgiebige Augenpflege
betrieben. Schließlich waren wir seit Freitag früh um 4 auf den Beinen und
viel Schlaf hatte es zwischenzeitlich nicht gegeben.
Wir frühstückten ausgiebig und haben uns nochmals das Haus intensiv angesehen.
Das Erdgeschoß bestand aus 2 Zimmern. Ein Abstellraum, in dem sich eine 150
Liter Gefriertruhe befand sowie ein Kaminzimmer. Die Außenwände waren im
Erdgeschoß genau wie der Kamin aus großen Natursteinen gemauert. Das war
bestimmt eine Heidenarbeit. In den Sitzbänken waren die Rettungswesten für
6 Personen sowie das bereits genannte Echolot untergebracht.
Eine Holztreppe führte von dort in den ersten Stock. Dort gab es einen
Wohnraum mit offener Küche, Ein Schlafzimmer und ein Bad. Satellitenfernsehen
(82er Bildröhre!) mit 176 Programmen war vorhanden. Ich hatte eigentlich
nicht erwartet, in Norwegen TV Algerie empfangen zu können.
Ebenfalls konnte man von dort den Wintergarten betreten, der gleichzeitig
als Speisezimmer fungierte. Eingerichtet war alles, welch Überraschung, im
nordischen Stil. Man konnte fast meinen, der Inneneinrichter hat ein Faible
für jenes skandinavische Möbelhaus, dessen erste Silbe nach einem spitzen
Ensetzensschrei klingt und deren zweite Silbe nach einer seltenen neuseeländischen
Papageienart benannt wurde. Es hat alles super gepasst und man konnte sich
da so richtig wohl fühlen.
In der Küche hat es an nichts gefehlt. Porzellan, Gläser und Besteck
für 12 Personen, Kaffeemaschine, Heisswasserkocher, Dunstabzugshaube, Kühl-/Gefrierkombination,
Umluftherd mit Cerankochfeld und, wichtig für die mitreisende Dame, eine
Geschirrspülmaschine. Sonst müsste die einem Angler Angetraute ja im Urlaub
ständig selbst Spü....AUA. Sorry für den kleinen Exkurs, Caren kam gerade
vorbei, schaute mir über die Schulter und las den letzten und nun für immer
unvollendeten Satz.
Nur die Töpfe sollten mal runderneuert werden. Irgend jemand hatte die
gußeisernen Töpfe wohl in der Spülmaschine gereinigt. Die sahen nicht mehr
toll aus. Und auch die beschichteten Töpfe waren durch intensiven Gebrauch
metallener Gegenstände reichlich malträtiert. Da konnte man(n) den wahren
Küchen-Experten erkennen. War bestimmt eine Frau (AUA AUA ?Nein Schatz, wird
nicht wieder vorkommen. Bestimmt nicht?) Äh, Caren kam gerade nochmals vorbei.
Der zweite Stock bestand aus einem Bad und zwei weiteren Schlafzimmern.
Alle Schlafzimmer hatten ein Doppelbett und, oh Wunder, einen richtigen Schrank.
Übrigens, das Haus ist ein Nichtraucherhaus und daran haben wir uns auch gehalten.
Die Aussenterasse war auch sehr schön angelegt und mit Gartenmöbeln für
8 Personen versehen. Nur das Grundstück an sich. Olav hatte schon am Vortag
zugegeben, daß er im letzten Jahr froh war, daß der Bau fertig war. Und er
leider bislang keine Lust hatte, die ganzen Baustellenutensilien vom Grundstück
zu entfernen. Naja, kein toller Anblick, aber wie es sich zeigte, sind wir
eh immer morgens aufgebrochen und erst gegen Abend zurückgekehrt. Und da
wird es ja bekanntlich dunkel und man sieht nichts mehr. Ausserdem hatte
das Zeug auch Vorteile, von denen sowohl Caren, als auch ich profitierten.
Beim Rundgang durch die Hütte fiel mir auch das Gästebuch in die Hände.
In der Hoffnung, dort etwas über das Angeln zu erfahren, blätterte ich dieses
bei einer letzten Tasse Kaffee und einer Zigarette durch. Sehr viele Einträge
waren logischerweise noch nicht vorhanden. Jedoch die vorhandenen waren sehr
aufschlußreich. Ich zitiere aus dem Gästebuch:
-?Ausser Makrelen haben wir leider nichts gefangen...?
-?Auch wenn uns das Anglerglück nicht hold war...?
-?Vielen Dank für die Vermittlung der Hochseefahrt. Auch wenn kaum etwas gefangen wurde, so war es doch ein schönes Tag.?
-?Wir hatten einen kapitalen Dorsch von 70cm.?
-...
Mein Röcheln ob dieser Aussichten liessen Caren zunächst erblassen. Sie
war zumindest jedoch beruhigt, als ich zum Telefon griff und gleich Olav
anrief, um mich nach der Hochseefahrt zu erkundigen, die mein Interesse geweckt
hatte. Um es vorweg zu nehmen, ich habe diese Fahrt nicht mitgemacht. Der
Fischer verlangte von den Teilnehmern (Mindestzahl 6) pro Stunde NOK 400,--
(das sind umgerechnet knappe schlappe 57 Euro!!!). Pro Person!!! Anscheinend
stammte er aus einer alten Freibeuterdynastie, der er jetzt zumindest ein
halblegales Image verpassen wollte. Soll er nur, allerdings habe ich ihm
diese Imagekampagne nicht finanziert.
So, der Kaffee war nun alle, der Aschenbecher voll, der Tag noch jung
und die Sonne bahnte sich langsam aber stetig ihren Weg durch die dicken
Wolken. Wir machen uns angelfein und wollten das Revier mal ein wenig mit
dem Boot erkundigen und auch mal einen Pilker baden. Flugs das ganze Gerödel
ins Auto gepackt und ab zur Marina. Die Sachen im Boot verstaut und hurtig
den Motor mit dem Seilzug starten wollen, der auch schon 20 Minuten und mehreren
dutzend Zügen später ansprang, sodaß ich in meinen Schwimmoverall schwitzte
wie ein Tier und los ging es. Was haben wir daraus gelernt?
1.) Bei diesem Motor niemals nicht den Choke ziehen, da säuft er gnadenlos
ab. Später zeigte sich, daß er beim Starten spätestens nach 2. Ziehen willig
ansprang (ohne Choke). 2.) Ausserdem wusste ich nun, daß mein Overall dicht war; es lief kein
Tropfen Schweiß raus. Und die Sonne hatte eine erstaunliche Kraft, wenn sie
sich einmal ihren Weg durch die Wolken gebahnt hatte.
Nach intensivem Studium der Seekarte fuhren wir den Storsundet entlang
und entschlossen uns, unser Glück bei den Stellen bei der Insel Heroy zu
versuchen. Eigentlich habe ich mich dazu entschlossen, da Caren noch niemals
zuvor geangelt hatte (Man merke sich diese Aussage! Sie wird im weiteren
Verlauf noch eine Rolle spielen) und von daher ob der Platzwahl ziemlich
anspruchslos war.
Die nächsten 3 Stunden verbrachten wir in der Tat beim Pilker baden.
Es ging aber auch rein gar nichts. Doch halt, ein Biss. Die Rute bog sich,
die Bremse kreischte- leider nicht. Ich schätze das Gewicht meines Gegners
auf ein gutes Pfund und hatte damit, wie sich beim Anblick des Kuckuckslippfisches
zeigte, noch ziemlich dick aufgetragen. Also suchten wir einen anderen Hot
Spot auf.
Der hatte es aber dann so richtig in sich: Gleich beim ersten Ablassen
beide einen Hänger. Also lösen und Boot etwas verlegen. Ablassen und kurze
Zeit später gemeinsam Sch.... brüllen. Ihr könnt Euch denken warum. Also
lösen und Boot verlegen. Diesmal etwas mehr. Ablassen, diesmal alleine, weil
Caren keine Lust mehr hatte und Augenblicke später den Norwegern in Intensivkurs
in deutschen Sprachgut geben: ?Verdammte ranzige Hottentotten sch.... Ich
Idi....Das gbt´s doch gar nicht...wie kann ich denn nur so blöd sein usw.?
Jetzt wisst Ihr sicher, warum.
Nun hatte ich selber nach insgesamt guten 45 Minuten Tauziehen mit dem
Meeresgrund die Lust verloren. War ja auch der erste Tag, ich wollte auch
nur das Revier erst mal betrachten und Caren sollte nicht gleich zu Anfang
jegliche Lust verlieren. Also ab zum Hafen. Dazu kam noch daß ich in dem
schwimmenden Bratschlauch fast gar war.
Auf der Heimfahrt sah ich etwas sehr interessantes, was meine Aufmerksamkeit erregte und ich beschloß,
a) dem ganzen auf den Grund zu gehen
b) und den Bericht demnächst fortzusetzen.
Teil IV
Zurück im Hafen das Boot vertäut, das ganze Gerödel wieder ins Auto und wieder ab
zum Haus. Dort das ganze wieder in das Kaminzimmer gelegt und die leichte
40gr. Rute gegriffen. Meine Frau wollte mich an diesem Tag nach den bisherigen
aufregenden Angelerlebnissen nicht mehr begleiten. Nun gut, eine Uhrzeit
war schnell vereinbart, damit auch pünktlich das Abendessen auf dem Tisch
stehen konnte (Exkurs: Hehe, Caren ist gerade zum Einkaufen weg. Und bis
sie wieder kommt, ist dieser Teil schon veröffentlicht).
Motor gestartet und 51 Sekunden später war ich unten auf dem Holzverladeplatz.
Da herrschten mittlerweile Zustände wie auf einem Kutter. Dicht an dicht
und Fisch auf Fisch. Makrelen über Makrelen, aber was für welche. Daß dort
gut Fisch gefangen wurde habe ich ja auch vom Boot aus schon gesehen, ,aber
mit so etwas habe ich nicht gerechnet.
Ganze am Ende der Anlage fand ich dann noch ein Plätzchen wo auch ich
mich dem zu erwartenden Fischsegen entgegenstemmen konnte. Twisterkopf angeknotet,
den schwarz-roten Twisterschwanz draufgeschoben und voller Hoffnung gen
Wasser gebracht.
Eine Stunde später nach etlichen Köderwechseln war ich immer noch voll-
voll Panik, daß ich nichts fangen würde. Mittlerweile hatte ich die ganze
Palette durch und war wieder bei der Ausgangsmontage angelangt. Da gesellte
sich ein Norweger zu mir, der mir erst einmal zeigte, wie groß Pollacks eigentlich
werden können.
Sein erster Wurf: Großer Fisch.
Sein zweiter Wurf: Ein noch größerer Fisch
Sein vierter Wurf: Die bislang größte Makrele, die ich je gesehen habe.
Ich behielt aber die Nerven und brach nicht in Tränen aus. Kurze Zeit
später war es dann soweit: Er hatte was richtig großes dran. Er drillte den
Fisch aus, wusste aber nicht direkt wie er den Fisch hochbringen sollte,
da mittlerweile der Ebbstrom eingesetzt hatte und der Wasserstand doch ganz
schön zurück gegangen war. Aus seinem Kofferraum ragte ein Kescher heraus,
den ich dann holte. Um den Fisch zu keschern, legte ich mich flach auf den
Boden und mit langgestrecktem Arm konnte ich den Fisch erreichen und ihm
helfen den Fisch zu landen.
Er fand dies ganz nett und so kamen wir ins Gespräch. Er nahm sich auch
meiner bis dato absoluten Erfolglosigkeit kann und zeigte mir, wie ich den
Twister führen musste, damit es auch mit dem Fisch klappt: schwereren Kopf
, lange sinken lassen und dann ruckartig die Rute soweit wie möglich immer
wieder zurückreissen und dazwischen mit affenartiger Geschwindigkeit einkurbeln.
So konnte ich noch an diesem Abend innerhalb kürzester Zeit 3 Pollacks überlisten.
Diese hatten eine Länge von 2x75cm und 1x 74 cm. Dazu kamen noch ein paar
Makrelen, die sich auch plötzlich für den Twister interessierten.
Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, daß es nun Zeit war, zu meiner mich
liebenden Angetrauten zu fahren und das Abendessen zu geniessen.
Dort angekommen stellte ich zweierlei fest. Zum einen gab es keinen Filetierplatz
und zum anderen hatte die Aussenbeleuchtung die Lichtstärke eines Teelichts.
Somit blieb nur eines übrig: Ich baute mit in Eigeninitiative einen eigenen
Filetierplatz. Zunächst erst einmal eine stärkere Birne in die Fassung gedreht
und dann das vorhandene Material nutzen. Das Haus hatte so eine Art Schieferdach
und von diesem Zeug lagen noch einige Stapel herum. Eine große Steinplatte
wurde dann zum Filetierplatz ehrenhalber ernannt, welcher noch einige Arbeit
bekommen sollte. In diesem Moment war ich recht froh, daß das Baustellengerümpel
noch da lag. Ohne dieses hätte ich entweder die Küche nutzen oder auf den
Knien liegend filetieren müssen.
Der Abend schloß dann nach getaner Arbeit mit einem Bierchen und einem guten Schluck edler Destillierkunst.
Was mir aber in der Hektik des Filetierens entgangen war, war die Tatsache,
daß mir ein paar Abfälle unbemerkt zu Boden gefallen waren. Diesen unerwarteten
Happen fraßen ein paar sog. Norwegische Waldkatzen, die uns dann am nächsten
Morgen mit erwartungsvollen Blicken begrüßten. Meine Frau war begeistert,
da sie ein absoluter Katzenfan ist. Ausserdem ist sie selber Besitzer eines
norwegischen Waldkaters.
Es handelte sich dort um 3 Junge mit ihrer Mutter sich täglich bei uns
sehen liessen. Man kam aber nicht näher als 2m an sie heran.
Caren hatte Ihre Katzen und ich meine Fische. So dachte ich zumindest damals noch.
Teil V
Den nächsten Tag begannen
wir mit einem guten Frühstück und lernten da auch die besagten Katzen kennen.
Diese sollten uns nun jeden Tag besuchen. War wahrscheinlich für sie schon
ein Erlebnis für selber frei zu leben und Menschen hinter Glas in dem besagten
Wintergarten zu betrachten. Wie im Zoo, nur andersherum.
Danach machten wir uns auf in Richtung Rosendal. Dank Stuffel wussten
wir ja, daß es da eine Touristinformation gab. Diese suchten wir auf, um
uns Anregungen für die weiteren Unternehmungen während unseres Urlaub zu
holen. Als erstes fiel mit dort die Internetecke auf, die auch von Stulle
genannt wurde. Ich konnte mich aber weder an diesem Tag noch an einem anderen
dazu entschließen, diese zu nutzen. War halt Urlaub und ich sitze eh den
ganzen Tag vor so einer Kiste. Das tat nicht Not.
Die Dame dort war auch sehr nett und zeigte uns anhand der käuflich erworbenen
Wanderkarte einige schöne Routen, die sie mit etlichen privaten Ratschlägen
ergänzte. Diese Karte leistete uns wirklich sehr gute Dienste. Konnte man
aber auch für einen Preis von 100 NOK erwarten.
In der Nähe von der Touristinformation ist mir schon bei der Anreise
ein Sportgeschäft mit Angelabteilung aufgefallen, welches ich ?nur mal eben
kurz? aufsuchen wollte. Caren sagte ?Jaja?, wohlwissend wie sie meine Aussage
zu bewerten hatte und vertiefte sich in die Lektüre der mitgenommenen Prospekte.
Ich suchte also den Tempel der Anglerfreuden auf und fand dort eine sehr
übersichtliche Auswahl zu nicht mal günstigen Preisen. Hier sei mir ein Ausflug
in die griechische Geschichte gestattet: ?Wanderer wenn Du kommst nach Rosendal,
so verkünde dorten, daß Du hier die teuersten Angelutensilien findest, die
Du jemals gesehn.? Vor der Wand mit den Pilkern stehend wurde mir klar, was
Leonidas, König der Spartaner, gefühlt haben muß, als er am Thermopylenpaß
der vielfachen Übermacht der Perser gegenüberstand. Die Tanke in Uskedal
war da schon wesentlich humaner.
Mein lieber Scholli, das war hart. Zu dem Preis hätten die Pilker eigentlich
aus 585er Gold bestehen müssen. Also nix wie raus, sonst gefällt mir noch
was. Caren konnte es kaum glauben, mich so schnell wieder zu sehen. Wir beschlossen,
da wir ja eh schon in Rosendal waren, die Baronie zu besuchen.
Dabei handelt es sich um das einzige barockschloßähnliche Gebäude in
Norwegen. Berühmt ist die Baronie vor allen Dingen auch w/des Rosengarten,
welcher auch wirklich sehr beeindruckend war.
Als wir dann dort Einlaß ins Gebäude begehrten, wurde uns mitgeteilt,
daß die offiziellen Besuchszeiträume bis zu, 1.9. gingen. Und wir waren dort
am 2.9. Freundlich wie wir die Norweger kennengelernt haben, wurden wir gebeten
zu warten. Man erwartete noch eine Gruppe, die eine Führung reserviert hatte
und die Dame wollte fragen wir uns denen anschließen dürften. Wir durften.
Wir bekamen dort nicht nur die Geschichte der Baronie sowie der jeweiligen
Besitzer erklärt, sondern auch einen Einblick in die norwegische Geschichte.
Es war sehr interessant und ich kann einen Besuch dort nur empfehlen. Übrigens,
von der Color-Line erhält man bei der Überfahrt die sog. Color-Card, welche
einem in diversen Museen und anderen Attraktionen verbilligten Eintritt verschafft.
Diese hat uns bei der Baronie eine 30% Ersparnis gebracht.
Danach haben wir uns bei einer kleinen Wanderung die nähere Umgebung
der Baronie angeschaut und einen näheren Eindruck in die wildromatische Umgebung
unseres Urlaubsortes gewonnen.
Nach einem kleinen Einkauf ging es dann wieder ins Haus, denn ich wollte noch zum Holzverladepier.
Dort angekommen sah ich, daß an diesem Abend sich bedeutend weniger Leute
zum Angeln dort eingefunden hatten. Sehr schön, denn entsprechend konnte
man eine größere Fläche absuchen.
An diesem Abend habe ich meine Spinnrute daheim gelassen und bin mit
?etwas? groberem Geschirr dort angerückt. Ich hatte ja bereits geschrieben,
daß ich einen Abend zuvor nicht schlecht gefangen hatte. Aber gegen die einheimischen
Angler hatte ich ein eher maues Ergebnis aufzuweisen. So habe ich denn versucht,
deren Angelweise nachzumachen. Ich hatte gesehen, daß diese auch von Ufer
aus mit der Pilkrute und 100gr Pilkern in einer ziemliche Tiefe geangelt
hatten. So griff ich denn auch meine Pilke der Fa. SPRO, die ich vorher noch
nie in Gebrauch hatte. Ich hoffte, mich mit dieser Rute vertraut machen zu
können.
Die ersten 10 Minuten passierte weder bei den Norwegern noch bei mir
irgend etwas. Nachdem ich dann meinen 100 gr. Pilker mit Einzelhaken und
einer Garnitur in Form eines Makrelenstückchens wieder Richtung Horizont
geschleudert habe, beschloß ich, mir eine Zigarette zu drehen. Ein Hänger
war nicht zu befürchten, da der Grund 30m vor dem Pier bereits 120m tief
war.
Nachdem ich mir dann die Kippe angesteckt hatte, betrachtete ich in aller
Ruhe das von meinem Standpunkt aus gesehen nach links ablaufende Wasser und
schaute auf die nach rechts ablaufende Schnur. Einige wunderschöne alte Segelyachten
aus Holz fuhren in der Ferne vorbei, die Vögel sang...-WIESO LÄUFT DENN DIE
SCHNUR NACH RECHTS? Rute in die Hand, Bügel zu. Schnur straffen und Anschlag
setzen. Jawohl Fisch und ich habe ihn an meiner Angel.
Aber was jetzt geschah, habe ich so noch nie vorher erlebt. Dem Fischlein
muß wohl klar geworden sein, daß ein anderes Lebewesen ihn in Gedanken bereits
am verspeisen ist und setzte sich zu Wehr in dem es schneller schwamm. Haha,
aber nicht mit mir! Die Bremswirkung etwas nachgestellt und dann wollen wir
doch mal sehen, wer eher müde wird. Immerhin habe ich da etwas entgegen zusetzen.
Scheint keinen Eindruck gemacht zu haben. Auch gut, bringen wir halt
noch ein wenig mehr Bremse ins Spiel. Gleich habe ich Dich. Schade, wirkt
auch nicht. Auch gut, ich habe ja noch eine halbvolle Spule und noch viel
mehr Bremse. Wirst schon sehen. Also bekommt er noch einen Klack mehr und
noch einen. Irgendwann wird er müde und dann ziehe ich.
Verdammt, der zieht gleichmäßig weiter- HALT ein kurzer Stop und jetzt bin ich dran.
Jawoll, die ersten 2-3 Meter Schnur sind von mir wieder gewonnen worden. Ich habe ihn.
Den anwesenden Norwegern ist mittlerweile klar geworden, daß ich etwas
größeres dran habe und sehen interessiert zu mir rüber. Wer aber nicht weiter
rüber kommt, ist mein Gegenüber. Der scheint mittlerweile ärgerlich zu werden,
den er setzt sich plötzlich so schnell wieder in seine Ursprungsrichtung
in Bewegung, daß er mir fast die Rute aus den Händen reißt. Die Bremse stöhnt,
aber das interessiert mich nicht. Der Drill, wenn man überhaupt von einem
sprechen kann, hat sich geändert. Ich habe das Gefühl, als wenn meine Schnur
an einer Lokomotive hängt. Das ist keine großer Fisch mehr, das ist ein sehr
großer. Meine Selbstsicherheit erhält einen Knacks. Was tun?
Bremseinstellung erhöhen. Das wird in wohl beeindrucken. Tut es aber
nicht. Einen kritischen Blick auf die Spule werfen ? Ach Du liebe Zeit: 75%
sind runter. Noch mehr Bremse. Aus dem Augenwinkel bemerke ich die Norweger,
die das Angeln eingestellt haben und sich hinter mir postiert haben. Ich
habe mir noch keinen Gedanken gemacht, was ich da wohl dran habe und vernehme
von ihnen plötzlich das Zauberwort: Kveite. Mein Traum wird wahr.
Sch... der Spulenkern schimmert durch und es gibt kein Anzeichen, daß
der Fisch langsamer wird oder daß ich gar Schnur gewinnen kann. Es hilft
nichts, es müssen Maßnahmen getroffen werden. Nur noch für wenige Sekunden
Schur auf der Spule. Über 200m sind runter. Da wird er es sich wohl auf den
letzten Metern nicht mehr anders überlegen. Das heißt, Bremse zu, ganz zu.
Ein mächtiger Ruck in meinen Armen, die Schnur gespannt wie eine Gitarrensaite,
die etwas steife Rute biegt sich, gleich wird etwas passieren, alle Möglichkeiten
schiessen mir durch den Kopf PENNGGGGG.... Ausgeträumt
Rutenbruch; 10cm oberhalb der Steckverbindung ist die Rute gebrochen.
Ich höre neben mir ein 3faches Aufstöhnen. Ich selber bin einfach nur baff
und schaue auf das verbliebene Handteil und die plötzlich schlaff ins Wasser
hängende Schnur. Ich kann es nicht glauben...Ich habe schon mit Schnurbruch
gerechnet, daß der Knoten aufgeht oder der Wirbel sich verbiegt, aber damit
nicht.
Ich fange an, die Schnur aufzuwickeln. Dann, nach mehreren Momenten innerer
Leere höre ich die Norweger sprechen, die mich trösten wollen. So recht will
es Ihnen nicht gelingen. Ich kurbel fleissig weiter und bekomme noch tatsächlich
mein 80er Vorfach samt Pilker zurück. Der Haken sieht ziemlich übel aus und
hat seine Form doch stark eingebüsst. Ich kann es einfach nicht glauben.
Wie kann das sein?
Die nächsten 10 Minuten sitze ich einfach nur auf einem Poller und schaue
auf´s Wasser. Ich merke erst jetzt, was für eine Anstrengung das war. Die
Norweger haben wieder angefangen zu angeln. Ich für meinen Teil mag für heute
nicht mehr. Ich fahre zu Caren.
Teil VI
Nach einigen Bieren und
mehreren Beratungen mit meinem amerikanischen Freund sah ich die Sache zunächst
positiv und später am Abend geradezu euphorisch. Der besten Ehefrau von allen
wurde klar, daß ich abends wohl häufiger in Sachen Kveite unterwegs sein
würde. Sie konnte es mir aufgrund meiner Schilderungen sogar nachempfinden.
Allerdings war sie weniger davon begeistert, daß bei der Aktion sich eine
Rute verabschiedet hatte. Bohrende Fragen nach dem Preis waren die Folge.
Ich versicherte ihr, daß ich das Problem des Rutenbruchs mit dem Hersteller
diskutieren würde.
Mal sehen, wie SPRO sich dazu äußern wird, daß das Messeschnäppchen sich dermaßen verabschiedet hat.
Geschlafen habe ich in dieser Nacht nach meinem Empfinden wie ein Stein.
Am nächsten Morgen war frühes Aufstehen und ein zeitiges frugales Frühstück
angesagt. Wir wollten nach Bergen fahren und ich meinen Appetit auf dem Fischmarkt
stillen. Also auf zur Fähre nach Lofallstrand und damit übersetzen nach Gjermundshamm.
Dort wählten wir für die Hinfahrt die Strecke, die uns Olav empfohlen
hatte. Durch eine Reihe von wirklich hübschen Orten fuhren wir über Norheimsund
zunächst bis zum Steinsdalfossen. Die Gegend um Norheimsund hat uns wirklich
sehr gut gefallen. Schade, daß wir den Häuserprospekt nicht dabei hatten.
Ich hätte mir gerne mal die angebotenen Ferienhäuser angeschaut.
Am Steinsdalfossen kann man binnen wenigen Minuten per pedes zu einem
Wasserfall gelangen und diesen auch unterwandern. Wasserfälle haben wir wirklich
nicht gerade wenige gesehen, aber das man hinter dem fallendem Wasser stehen
kann, ist doch schon recht beeindruckend. Man bekommt ansatzweise ein Gefühl
dafür, wir welcher Kraft die Natur die Landschaft geformt hat.
Nach einigen Aufnahmen zwischen Ankunft uns Abfahrt zweier Busreisegruppen ging es dann weiter in Richtung Bergen.
Dort angekommen, wurden wir zunächst mit dem Problem konfrontiert, einen
Parkplatz zu finden. Nach einigem Mühen kauften wir uns für einige Stunden
ein entsprechendes Grundstück. Zumindest war ich der Meinung, daß wir für
den verlangten Mietpreis das Stück Land eigentlich hätten überschrieben bekommen
müssen. Aus Frankfurt bin ich ja schon so einiges gewöhnt, aber die Preisgestaltung
dort hat sich mir nachhaltig eingeprägt. Dafür war der Platz allerdings zentral
gelegen und wir hatten nur kurze Wege zu absolvieren. Also egal, denn wir
hatten Urlaub und wer weiß, wann wir dort wieder hinkommen. Keine Rose ohne
Dornen.
Durch die Fußgängerzone liefen wir Richtung Hafen, welcher mich magisch
anzog. Ich freute mich schon darauf, dort ein leckeres Brötchen belegt mit
den Früchten des Meeres zu verspeisen. Caren war das von vornherein relativ
egal, da sie weder Räucherfisch noch Krabben oder ähnliches mag.
Aber leider wurden meine Erwartungen dort nicht erfüllt. Die Anzahl der
Stände dort war eher als sehr übersichtlich zu bezeichnen, nämlich derer
vier. Irgendwie hatte ich mir das wesentlich größer vorgestellt. Auch das
Angebot war nicht so reichhaltig, wie wir gedacht haben. Aber zumindest habe
ich dort meinen ersten kompletten Seeteufel live gesehen. Wäre mir aber lieber
gewesen wenn er an meiner Angel gehangen hätte. Nur, daß sollte in diesem
Urlaub leider nicht der Fall sein. Hat aber auch sein gutes, weil man
a) Zufriedenheit auch mit nicht allen erfüllten Träumen bewußt gemacht bekommt
b) einen Grund mehr hat, wieder ins gelobte Land zu fahren
Kommen wir zu die Köstlichkeiten. Kurz, die habe ich mir versagt. Warum?
Zunächst hat es mich Stutzig gemacht, daß auf den Preistafeln nicht nur der
geforderte Warenwert in NOK, sondern auch gleich mit in EUR ausgezeichnet
war. OK, Bergen und speziell der Fischmarkt ist auch eine Touristenattraktion,
aber das war doch schon sehr heftig:
Halbes Brötchen (Durchmesser ca. 6cm) belegt mit einer Scheibe Lachs = EUR 3,--
Halbes Brötchen (gleiches Durchmesser) legt mit Krabben = EUR 4,--
Ich habe mir mal den Spaß gemacht und die Krabben gezählt und kam zu dem Ergebnis 14 (in Worten vierzehn).
Also verzichtete ich darauf. Das war mir schlichtweg zuviel. Um satt
zu werden, hätte ich ein Vermögen investieren müssen. Also haben wir da gesparte
Geld in eine Stadtrundfahrt investiert. Diese war auch sehr interessant und
man konnte von den umliegenden Hügeln einige sehr schöne Ausblicke über Stadt
und Hafen geniessen. Danach unternahmen wir noch einen längeren Spaziergang in den Stadt
und schauten uns u.a. Bryggen an. Ausserdem mußten wir uns noch bei der DNB
in einem ausreichenden Maße mit landesüblicher Valuta versorgen.
Bei der Rückfahrt wählten wir die Route via Tysse, bei der unser Vermieter
aber gleich gesagt hatte, daß sie nicht einfach zu fahren wäre.
Ihr lieben Leut, das war vielleicht eine Strecke. Der LKW, den wir nach
wenigen Kilometern eingeholt hatten, für mit allen Rädern auf der Bankette.
Das hatte aber den Vorteil, daß es mit dem entgegenkommenden Fahrzeugen keine
Diskussionen gab und diese immer brav zurücksetzten. Entschädigt wurden wir
aber mit schönen und z.T. spektakulären Aussichten.
In Gjermundsham konnten wir direkt auf die Fähre fahren und kamen am späten Nachmittag wieder in unserem Haus.
Kaum angekommen, wurden zunächst die dringendsten Bedürfnisse gestillt.
Caren sagte dann nur, daß ich mich schon umziehen und zum Boot fahren solle.
Ich würde ja doch keine Ruhe geben. Gesagt getan. Meine Gattin kennt mich
doch sehr gut.
Eine viertel Stunde später war ich mit dem Boot unterwegs und machte
dank der Selbststeuerung die Bootsrute fertig. An diesem Abend wollte ich
nicht unvorbereitet sein. Auf dieser Fahrt konnte ich nachvollziehen, was
Käpt´n Ahab auf der Suche nach Mobby Dick empfunden hatte. Makrelen als Köder
hatte ich vorsichtshalber aus der Gefriertruhe mitgenommen und das war auch
gut so. Da ich frische Köder bevorzuge, probierte ich mal schnell ein paar
Makrelen zu erhaschen. Nichts. Schon merkwürdig, aber ich hatte ja noch Plan
B.
Dann begann die Suche nach meinem Kontrahenten vom vorherigen Abend. Und Ihr werdet kaum glauben, was jetzt geschah:
Nämlich nichts, Null, Zero, Niente, nothing.
Auch auf dem Holzpier, den ich ?zufälligerweise? in Sichtweite hatte, gaben die Angler nach einer Weile auf.
Schade war´s, aber nicht zu ändern. Jedoch kurz bevor ich diesen Törn
beendete, konnte ich meinen ersten Dorsch fangen. Nichts besonderes, aber
immerhin nicht Schneider. Zu diesem Zeitpunkte wußte ich noch nicht, daß
das mein einzigster Dorsch in diesem Urlaub bleiben sollte.
Zumindest mußte ich an diesem Abend nicht sehr lange filetieren.
Das sollte sich am nächsten Tag ändern.
Teil VII
Am nächsten Tag haben wir uns einen reinen Angeltag vorgenommen. Wohlweislich hatte ich den Schwimmanzug daheim gelassen.
Wir fuhren aus dem Storsundet heraus und haben uns entschieden, auf der
Rückseite der Insel Skorpo unser Glück zu versuchen. Die erste Stelle, die
auf der Seekarte markiert war und auch gemäß der Anzeige des Echolots recht
vielversprechend aussah, erwies sich leider als absoluter Fehlgriff. Dort
passierte leider rein gar nichts.
Also wieder den Aussenborder gestartet und erst einmal die anderen Stellen
abgefahren und die Anzeige des Echolots dazu betrachtet. Rein von der Beschaffenheit
des Grundes sahen einige Stellen recht verheißungsvoll aus. Sollte es doch
klappen, einen Steinbeisser zu fangen? Den hatte ich nämlich schon lange
vor Urlaubsbeginn auf meine Wunschliste gesetzt. Außerdem, waren auf dieser
Liste noch Heilbutt, Leng, Lumb und Seeteufel vertreten.
Doch zurück zur Realität. Nach der Erkundungsfahrt ein schönes Plätzchen
gesucht, Motor gestoppt, und die bereits vorbereiteten Ruten zu Wasser gelassen.
Beim Sinken der Köder nochmals das bereitliegende Equipment bestehend aus
Gaff, Messer zum Kehlen, Fischwanne, Tüchern zum Abdecken der Fische und
Holzknüppel zurecht gerückt und freudig der Dinge geharrt, die da auf uns
zukommen sollten.
Nach 10 Minuten ging es los: Caren wurde ungeduldig.
?Was war das für ein schwarzes Ding??
?Wie sehen Fische denn das Ding??
?Warum machst Du an das Ding noch Makrelenstückchen dran??
Ich freute mich über ihr Interesse und erklärte ihr bereitwillig alles nach besten Wissen und Gewissen. Doch dann:
?Kalle, wie lange dauert das??
?Kalle, fangen wir hier genau so schlecht, wie am Sonntag??
?Kalle, bist Du sicher, daß alles stimmt??
?Kalle, glaubst Du, daß hier Fische sind??
?Kalle, bist Du Dir da sicher??
?Kalle, warum beißt hier keiner??
Auch diese Fragen wurden von mir geduldig und mit einer positiven Grundeinstellung beantwortet. Alles wird schon gut werden.
?Kalle, soll ich mal nach den Haken schauen?? Aber ja doch, wer kurbelt, ist beschäftigt.
?Kalle, ich hänge fest? Wie denn? Wo denn? Was denn?
Naja, was soll ich sagen. Unter meiner Anleitung konnte die beste Ehefrau
von allen dann ihren ersten selbst gefangenen Fisch drillen. Dafür durfte
ich dann diesen gaffen und bestaunen. Mit 89cm war dieser Pollack gleich
der größte, den wir, in diesem Falle Caren, in diesem Urlaub gefangen hatten.
Nichtsdestotrotz freute ich mich sehr, daß nun auch Caren ihr Erfolgserlebnis
hatte.
Also habe ich den Fisch betäubt, gekehlt und dann gleich ausgenommen.
Das mache ich übrigens immer so und hatte noch nie Probleme mit Nematoden.
Carens Pilker und Gummimakk wurden mit neuen Makrelenstückchen versehen und wieder zu Wasser gelassen.
Ich wiederholte diese Prozedur an meinem Gerät und wir machten weiter.
Dabei genossen wir die Sonne und waren froh, daß wir uns ordentlich eingecremt
hatten.
Etwas 20 Minuten später plötzlich Biß: Und wieder durfte ich Ratschläge
geben, wie dieser Fisch an die Oberfläche zu bringen ist. Das bedeutet natürlich,
daß Carens Rute sich wieder bog. Doch dieser Fisch verhielt sich anders und
ich war schon gespannt, was sich jetzt am anderen Ende befinden mochte. Heraus
kam ein Leng, mit etwas über 70cm zwar kein gewaltiger, aber immerhin der
erste, den ich beim angeln zu Gesicht bekam. Gefangen natürlich von meiner
Frau. Die weitere Prozedur, s.o.
Da wir mittlerweile ganz schön abgedriftet waren, verlegten wir wieder
an den Ausgangspunkt unserer Drift. Auf der Fahrt dorthin sinnierte ich über
den Sinn des Lebens: Konnte ich den Leng von meiner Traumliste streichen
oder sollte ich warten, bis sich auch bei mir einer gelegentlich anmeldet?
Kaum hatten wir den Ausgangspunkt wieder erreicht, hatte auch ich den
ersten Drill: Es zeigte sich aber, daß eine ca. 25cm lange Makrele, die an
einem 8/0 Meereshaken hängt, der wiederum mittels einer 80er Mono und einer
32er geflochtenen via einer 20 lbs Penn Oceanic Tidecutter und mit Hilfe
einer Penn 330GTI transportiert wird, nicht so die ganz große Herausforderung
darstellt.
Unverdrossen machte ich weiter und war davon sehr angetan, daß Caren
mittlerweile ihren nächsten Drill allein aufgenommen hatte und keine Ratschläge
mehr brauchte. Leider stieg aber der Fisch unterwegs aus. Das war kein schlechter
gewesen. Caren fluchte wie ein Fuhrknecht. Sie war also auf dem besten Wege,
bzw. kurz davor, eine richtige Anglerin zu werden.
Im weiteren Verlauf des Tages sollte ich aber auch noch zum Zuge kommen
und auch endlich meinen ersten Leng sowie einige seiner Brüder oder Schwestern
zu fangen. Es stellte sich heraus, daß die Leng alle auf ein ziemlich eng
begrenztes Gebiet konzentriert waren. Der Meeresgrund bildete dort eine Art
Schlucht, die offenbar eine Fortsetzung der Geländestruktur auf Skorpo war.
Der Grund fiel in dieser Schlucht relativ zügig von 22m auf knapp 50m ab
und stieg relativ schnell wieder an. Wir hatten es also mit einer V-Form
zu tun. Leider war diese Schlucht durch ihren steinigen Grund auch ziemlich
hängerträchtig, so daß wir gut zu tun hatten. Die doch recht starke Drift
tat übriges dazu. Versuche mit Pilker ohne Haken und nur mit Gummimakk waren
erfolglos, so daß wir weiterhin auf die herkömmliche Montage vertrauen mußten.
Auch die Nachläufermontage fand keine Gnade vor den Augen der Fische.
Irgendwann kam es, wie es kommen mußte. Hänger! Na super. Also das Standartprogramm
abspulen. Schnur spannen und plötzlich loslassen. Doch nichts geschah. Also
versuchen wir es mal von der anderen Seite mit ziehen. Meine Steuerfrau übernahm
das Ruder und brachte mich entgegen der Driftrichtung auf den richtigen Platz.
Der Hänger löst sich und ?SAPPERLOT- nahm Schnur. Nachdem ich meine Verblüffung
überwunden hatte, nahm ich das Tauziehen auf. Es war etwas lebendiges, das
war mir klar. Fühlte sich aber im Drill irgendwie merkwürdig an. So stieg
langsam die Spannung aber auch der Fisch. Nach ein paar Augenblicken sah
ich etwas auftauchen, konnte es aber erst an der Wasseroberfläche als Rochen
identifizieren. Abends stellte sich in trauter Runde mit Caren, meinem amerikanischen
Freund und dem Fischbestimmungsbuch heraus, daß es sich um einen, geschätzten
80cm, Nagelrochen gehandelt hatte.
Mein Problem war aber nun, was ich damit machen sollte. Auf Anhieb fiel
mir nicht ein, ob dieser, weil bis dato für mich unbekannt, kulinarisch auf
irgendeine Art und Weise zu verwerten war. Auch bis heute weiß ich nicht,
was ich mit dem Rochen hätte machen können. Also habe ich ihn wieder in die
Freiheit entlassen.
Gottseidank war er nicht größer verletzt. Der Einzelhaken hatte sehr
weit vorne im Maul gefaßt und somit konnte ich mit Hilfe einer Zange und
unter ungläubigen Blicken von Caren, die noch nie einen Rochen aus dieser
Nähe gesehen hatte, den Haken relativ leicht herausdrehen. Somit hatte ich
einen großen Platten gefangen, wenn auch nicht unbedingt den, den ich haben
wollte. Natürlich war es der Tag, an dem wir die Kamera nicht dabei hatten.
Später genoß Caren nur noch die Sonne und ich versuchte in tieferen Gefilden
zum Erfolg zu kommen. Doch nur ein einziger Schellfisch von 68cm ließ sich
in rund 80 m zum Essen überreden. Nach 1,5 Stunden mit Tiefen bis zu 140m
hatte ich genug. Ich war im Urlaub und nicht auf einer Galeere.
Nachmittags auf dem Filetiertisch konnte ich 1 Schellfisch , 4 Pollacks,
und 5 Leng in einige Portionen für einen 2-Personen Haushalt zerlegen und
einige Makrelen dem Köderfischbereich der Kühltruhe hinzufügen.
Teil VIII - Finale Furioso
Am nächsten Tag konnten wir uns nicht so recht entscheiden, was wir unternehmen
wollten. Wir legten dann halt einen Gammeltag ein, wobei ich dann doch noch
kurz entschlossen das Angelzeug griff. Ich probierte dann nochmals an den
so erfolgreichen Stellen mein Glück. 2 schöne Leng konnte ich relativ schnell
überlisten. Durch diese raschen Erfolge übermütig geworden kam ich nochmals
auf die Idee, den Riesen in der Tiefe nachzustellen.
Nach 2 Stunden Schwerstarbeit mochte ich nicht mehr den Pilker baden.
Außerdem wurde der Wind unangenehm nötig und am Horizont zogen eine dunkle
Wolkenbänder auf. Also Kurs Heimat. Ich hätte aber auch keine 5 Minuten später
daheim sein dürfen. Kaum waren die Fische filetiert und eingefroren worden,
brachte ich noch schnell die Abfälle weg. Dabei fing es auch schon an zu
schütten.
Bis zum Samstag abend sollte sich dies auch nicht ändern. An Angeln oder
Wandern war bei diesem Wetter nicht zu denken. So mußten wir die Tage und
Nächte anders gestalten.
Ich könnte jetzt an dieser Stelle noch etliche weitere Erlebnisse zu
Land und zu Wasser schildern, jedoch ist es mir momentan zeitlich nicht gegönnt,
den Bericht in dem bislang gewohnten Stil weiter zu schreiben. Von daher
bitte ich um Verständnis, wenn ich mich fürderhin auf ein, zwei Highlights
beschränke. Das hat zudem den Vorteil, das der gesamte Reisebericht innerhalb
eines überschaubaren geologischen Zeitalters beendet wird. Nachteilig war
in der zweiten Woche, daß es praktisch kaum Wind und kaum eine Drift gab.
Dazu kam noch eine gewisse Beißfaulheit der Fische.
Am Donnerstag der zweiten Woche fuhren wir wieder zu unserem bereits
sattsam bekannt gewordenen Lenggraben. Fisch war reichlich dort: Knurrhähne,
Lippfische und eine Art von Meerbrassen bis zum Abwinken. Aber sonst? Tote
Hose.
Was tun? Da der gelbe Freund von oben es heute ganz besonders gut meinte
und nichts erfrischender ist, wie eine nette Bootsfahrt, verlegten wir unser
Fanggebiet an die Gestaden der Insel Anuglo. Aber auch dort zunächst nur
Kleinfisch.
Doch plötzlich ein heftiger Schlag in meine Rute quittiert von einem
kräftigen Anschlag meinerseits. Mein Kontrahent kapitulierte sofort und ließ
sich einfach hängen. So gab es merkwürdigerweise keinen Drill sondern ein
stupides Ziehen nach oben. Irgendwie schwante mir nichts gutes, denn ich
fühlte mich an einen ähnlichen Drill bei einem Ostseetörn erinnert. Dort
hatte ich mal eine große Plastiktüte mit der Öffnung nach oben ?geangelt?.
Und jetzt fühlte sich das so ähnlich an. Als ich dachte, daß ?es? nun zu
sehen sein müßte, erspähte ich im ansonsten sehr klarem Wasser nur eine Dreckwolke.
Na Spitze. Der Produzent dieser Dreckwolke stellte dann aber als ein Tintenfisch
heraus. Auch nicht schlecht. Es war sowieso Zeit, einige frische Köderstückchen
anzubringen.
Nachdem meine Montage mit all meinen guten Wünschen versehen wieder der
Tiefe entgegen rauschte, beobachtete ich Caren. Sie hatte nämlich ärgerlich
das berühmte Wort mit SCH... ausgestoßen und eine lakonisches ?Hänger? beigefügt.
Sie fing an, der Angel zu reißen. Nach oben, nach rechts, nach links und
war für keinen guten Vorschlag empfänglich. Wie ich ihr nun dabei zusah,
beobachtete ich auch zwangsläufig die Ruten Sitze. TOCK TOCK. Ein eindeutiges
Signal. ?Na Schatz, lebt der Hänger?? Jetzt bekam ich ein Schauspiel geboten,
welches ich so schnell nicht vergessen werde. Der Fisch wurde nicht gedrillt,
sondern kompromißlos gegen Oberfläche befördert. An einer 17er geflochtenen!
Auf meine Ratschläge achtete die beste Ehefrau von allen jetzt noch weniger
als zuvor (wer weiß, wozu es gut war ). Jeder Ansatz einer Flucht wurde durch
entschlossenes Entgegenstemmen begegnet.
Somit hatte ich nicht allzuviel Zeit, meine Schnur einige Meter einzuholen
und mich auf die Landung mittels dieses praktischen norwegischen Handgaffs
vorzubereiten. Ich kniete mich denn also in mein Schicksal ergeben, daß ich
wieder einmal nur der Handlanger war, hin und starrte erwartungsvoll auf
das Wasser. Ich traute meinen Augen nicht.
?Das gibt?s doch nicht!!! Mach langsam? Als Antwort bekam ist nur mit,
daß die Bremse jetzt ganz geschlossen wurde. Oha oha, wenn das man gut geht.
Es ging gut.
Heraus kam der zweite und auch letzte Dorsch unseres Urlaubs. Mit 1,18
Meter und etwas über 13kg stellte er aber nahezu 100% der Dorschfangmenge
dar. Caren traute ihren Augen nicht. So etwas hatte sie noch nicht gesehen.
Ich habe mich aber tierisch für sie gefreut.
Leider schien der Dorsch aber ein Einzelgänger gewesen zu sein. Unsere weiteren Bemühungen waren absolut erfolglos.
Um Caren auch noch eine anderen Aspekt des Angelns zu zeigen, beschlossen
wir, das sie noch ein paar Makrelen fangen sollte. Am Abend zuvor hatte ich
dazu eine ganz gute Stelle gefunden.
Also wieder fröhlich hingetuckert. Unterwegs kramte ich in meiner Angelkiste
und fand da noch ein altes Makrelenvorfach. Naja, kann ja nichts schaden,
also ab damit an Carens Angel. Mein Bedarf an Makrelen war gedeckt. Deswegen
beschloß ich, ihr den Spaß alleine zu gönnen. Es ist schon ein faszinierendes
Schauspiel, direkt an einer Steilwand zu stehen, das Wasser brodelt regelrecht
und man, respektive frau, kann angeln.
Der erste Versuch von ihr brachte auch gleich ein Fullhouse. Sie war
von der Kampfkraft der Minithune ganz überrascht. Abgehakt und wieder rein
damit. Plopp, wieder Fisch dran. Abgehakt und rein damit. Plopp...Was soll
ich noch sagen.....
Ich fing gleich an, die Makrelen auszunehmen. Originalton: ?Ui, der ist
aber größer.? Heraus kam ein schöner Köhler, der übrigens noch zahlreiche
Gesellschaft bekam. Ich war dagegen mit Messerschärfen, abhaken und ausnehmen
beschäftigt. Den ganzen Urlaub auf Seelachs gehofft und nur den Kindergarten
gefangen und meine Frau schafft es.
Ich muß aber gestehen, daß ich irgendwann doch noch zur Angel gegriffen habe und so auch noch zu meinem Köhler kam.
Im Handumdrehen hatten wir eine volle Fischkiste und angesichts der bevorstehenden
Filetierorgie wurde mir ganz anders. Aber auch das wurde geschafft.
Für den nächsten Tag wollte ich Caren die Entscheidung überlassen, was
wir unternehmen. Ich bin davon ausgegangen, daß wir noch einen kurzen Ausflug
machen und dann uns so langsam ans Kofferpacken machen. Zu meiner Überraschung
sagte sie mir: ?Wir gehen natürlich angeln.? Aha, eindeutig infiziert, also
ließ ich mich nicht lange bitten. An diesem Tag konnten wir an der Stelle
von gestern noch 3 Köhler sowie den mit Abstand größten Wittling, den ich
bis dato gesehen hatte, auf die Schuppen legen. Die Antwort auf die Frage,
wer den Wittling gefangen hatte, könnt ihr Euch im übrigen selbst geben.
War ja klar.
Am frühen Nachmittag ging es an ans Großreinemachen und Kofferpacken.
Olav kam vorbei und brachte uns den bestellten Stockfisch. Gleichzeitig hat
er sich noch verabschiedet und uns gebeten, den Schlüssel einfach an einer
bestimmten Stelle du deponieren. Einfach so und keine Abnahme der Hütte durch
ihn. Soviel Vertrauen darf man nicht enttäuschen. Obwohl er da auch schon
einiges erlebt hatte.
Samstag vormittags ging es dann los. Noch ein paar Kleinigkeiten eingekauft,
Abschied vom Hardangerfjord genommen und eine völlig entspannte Fahrt nach
Oslo angetreten. Auf der Rückfahrt war übrigens sehr viel Polizei zu sehen,
die aber offenbar die E134 in die andere Richtung kontrolliert haben. An
einigen Stellen haben einige Autofahrer sich erst einmal vom unnütz mitgeschleppten
Geld befreit und es den Ordnungshütern zur weiteren Verwendung überlassen.
An der Fähre hatte sich ein Experte die Pool-Position vor der Hütte gesichert
und ist dann mit seinen Kumpels einen saufen gegangen. Die hatten sich weder
bei Ihren Landsleuten noch bei den Norwegern beliebt gemacht.
Während die Color Festival entladen wurde, hatte ich Gelegenheit, die
Methodik des Zolls zu studieren. Wie ich sehen konnte, bringt es gar nichts,
auf Fragen barsch zu reagieren. Besonders der Herr aus Stuttgart, dessen
Mitreisende singend im Auto saßen, hätte seinen Ton mäßigen sollen. Er durfte
nämlich einparken und insgesamt 5 Herren waren mit ihm zusammen dann hinter
dem blauen Tor versammelt.
Die Überfahrt selbst verlief völlig problemlos. Nur das Buffer war bereits
vor der Abfahrt in der ersten Session völlig ausgebucht. Dann eben nicht.
Auf die zweite Session hatten wir keine Lust zu warten
Pünktlich kamen wir am nächsten Morgen in Dänemark an und machten uns
dann auf gen Süden. Ich würde jetzt gerne schreiben, daß die Rückfahrt genau
so problemlos verlief, wie die Hinfahrt. Dem war aber nicht so. Auf halber
Strecke zwischen Hamburg und Hannover ging es mit dauernden Stop-and-Go los.
Dieses Vergnügen konnten wir bis zum Gambacher Kreuz geniessen. Dementsprechend
gerädert kamen wir daheim an. Gut, daß wir Montag noch Urlaub hatten.
Nun ist es Zeit, mit den Danksagungen zu beginnen: Meiner Frau (auch
wenn sie mich anglerisch so manches Mal abgeledert hat) für diesen Superurlaub
(den nächsten fassen wir schon wieder ins Auge), Norwegen (das uns begeistert
und meine Frau jetzt auch infiziert hat), Guen (der uns mit den Wetterdaten
hervorragend versorgt hat), M_S und Stuffel (die uns mit Ihren Reiseberichten
auf unseren Urlaub so richtig eingestimmt hatten und auch Kunze (der mal
einen Tip für ein Fischbestimmungsbuch gegeben hatte, welches mir gute Dienste
geleistet hatte).
Norwegen, takk, wir kommen wieder. Ich habe noch eine Verabredung .........
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